Ernährung entkolonialisieren: Kampagne des Slow Food Indigenous Peoples Network gegen den Verlust der Artenvielfalt

Anlässlich des Internationalen Tags der indigenen Völker 2023, der am 9. August gefeiert wird, startet das Slow Food Indigenous Peoples Network eine globale Kampagne zur Unterstützung indigener Gemeinschaften bei der Bewahrung ihres Ernährungserbes für unsere gemeinsame Zukunft. 

Indigene Gemeinschaften schützen eine außerordentliche Vielfalt an Pflanzen- und Tierarten, ebenso wie überliefertes Wissen, Nahrungsmittel und Sprachen, deren Fortbestand bedroht ist. Indem sich die Kampagne Ernährung entkolonialisieren mit der Zukunft dieser Gemeinschaften beschäftigt, passt sie ausgezeichnet zum diesjährigen Internationalen Tag, dessen Motto Indigene Jugend als Vermittler von Veränderung hin zu mehr Selbstbestimmung lautet.  „Unsere Fähigkeiten, unser Geschick und unser Wissen, die wir als indigene Frauen und junge Menschen in die Ernährungssysteme der Welt einbringen, sind von der Geschichte unsichtbar gemacht worden. Jungen Leuten wird oft gesagt, dass sie sich nicht auskennen, unerfahren sind und warten müssen, bis sie alt genug sind, um ihre Meinung zu äußern; aber diejenigen, die so etwas sagen, vergessen, dass die Jugend eine Quelle der Energie, der Träume und neuer Fähigkeiten und Fertigkeiten ist. Wenn auch wir als Jugendliche Älteren respektvoll zuhören, können wir gemeinsam Tausende von großartigen Projekten mit Lösungen für den Klimawandel und den Verlust der Artenvielfalt auf die Beine stellen, weil wir einander ergänzen“, kommentiert Dalì Nolasco Cruz, eine Nahua und Mitglied des Slow Food International Board.

 

Die Kolonialisierung indigener Nahrungsmittel

Achtzig Prozent der Artenvielfalt werden durch indigene Völker geschützt. Diese Gemeinschaften wachen auch über überliefertes Wissen und traditionelle Nahrungsmittel. Landraub, die Verletzung der Rechte indigener Völker, der Klimawandel und ungeeignete landwirtschaftliche Praktiken jedoch bringen ihre Lebensweise in Gefahr. Zusätzlich zu diesen sichtbaren Ursachen findet eine weniger leicht bemerkbare Kolonialisierung durch Ernährung statt. Einerseits wollen sich Unternehmen indigenes Wissen und indigene Nahrungsmittel zu eigen machen, ohne die Gemeinschaften, aus denen dies hervorgegangen ist, um Erlaubnis zu fragen, sie zu würdigen oder an den Gewinnen daraus zu beteiligen; andererseits verdrängt eine zunehmende Dominanz industrieller und globalisierter Nahrungsmittel die lokale traditionelle Ernährung. Die Massenmedien und politische Maßnahmen fördern den Konsum und die Erzeugung dieser Nahrungsmittel und erzeugen so eine unsichere Ernährungslage, eine Homogenisierung der Ernährungsweise und den Verlust von Geschmacksrichtungen, Wissen, Festen rund um das Essen, lokalen Wirtschaftsgemeinschaften und Ernährungsidentität, was sich besonders auf junge indigene Menschen auswirkt.

Einheimische und traditionelle Lebensmittel können eine wichtige Rolle bei der Bekämpfung von Hunger und Unterernährung spielen: Die biodiversen Ernährungsweisen und Produktionsverfahren, zu denen sie gehören, tragen zu einem gesunden Leben bei und erhalten lokale Ökosysteme und Umweltressourcen, die vor Mikronährstoffmangel schützen können. Dieses Modell steht heute in erheblichem Wettbewerb mit den verarbeiteten Lebensmitteln der Agrar- und Ernährungsindustrie und der zunehmenden Verwendung von GVO. Die Überschwemmung des Marktes mit diesen Produkten hat zu einer erheblichen Veränderung der Ernährungsgewohnheiten geführt, deren schädliche Auswirkungen auf die Gesundheit der Bevölkerung schon bald sichtbar wurden.

„Unser Essen verbindet uns mit unseren Gemeinschaften, mit der Mutter Erde und mit unseren Vorfahren“, sagt Dalì Nolasco Cruz. „Es ist unsere Kultur, unser Wissen, unser Leben: unsere Identität. Deshalb ist es so wichtig, dafür zu sorgen, dass die Ernährungsweise indigener Völker weiterhin respektiert und als integraler Bestandteil der globalen kulinarischen Landschaft hochgehalten wird. Durch die Kampagne Ernährung entkolonialisieren will das Slow Food Indigenous Peoples Network das Bewusstsein für unsere anhaltenden Bemühungen steigern, die Ernährung indigener Völker vor dem Erlöschen zu bewahren, und wir laden alle ein, die indigenen Ursprünge alltäglicher Nahrungsmittel zu entdecken und die Länder und Gemeinschaften zu erforschen, in denen sie immer noch erzeugt werden.“

Eine Bewusstseinsreise über die Kontinente

Slow Food präsentiert eine ideale Weltreise zu einer Reihe von indigenen Nahrungsmitteln, auf die das 86 Länder und mehr als 370 Gemeinschaften überspannende Slow Food Indigenous Peoples Network aufmerksam machen will.

Das Slow Food Indigenous Peoples Network in Mexiko wird sich am aktivsten beteiligen und hat gerade eine nationale Kampagne gestartet, in der indigene Gemeinschaften gebeten werden, lokale Nahrungsmittel vorzustellen, die sie entkolonialisieren möchten. Dies gilt auch für Slow Food Uganda, das seine Kampagne My Food My Identity präsentiert hat, um das Bewusstsein unter den Menschen vor Ort für indigene Nahrungsmittel zu steigern, die ausgezeichnete Alternativen darstellen können, indem sie Ernährungssouveränität sicherstellen und einen wertvollen Beitrag zum Kampf gegen den Klimawandel leisten.

Die Slow Food Cook’s Alliance: Taiwan Indigenous People wurde vor kurzem in Taiwan gegründet. Die ersten 18 indigenen Köche, die die Allianz geschmiedet haben, verteidigen nicht nur lokale Artenvielfalt und Produkte, sondern werden auch indigene Traditionen und Zutaten in den Mittelpunkt rücken. Mehr Info: https://www.fondazioneslowfood.com/en/nazioni-alleanza/taiwan-en/

 

In Europa haben die Erzeuger des Slow Food Sapmi Reindeer Gurpi Presidium das

Gurpi nominiert, eine Art von getrocknetem Rentierfleisch, ein typisches Nahrungsmittel der Sámi, einem nomadischen Hirtenvolk, das in den Bergen von Nordschweden an der Grenze zu Norwegen, Finnland und Russland lebt.

 

 

Jeder kann sich an der Kampagne beteiligen und mehr über indigene Nahrungsmittel und Gemeinschaften und die Wichtigkeit der Entkolonialisierung unserer Ernährungssysteme und Denkweisen lernen. Es ist wichtig, sich für Änderungen in der Politik zum Schutz der Artenvielfalt einzusetzen; die Anerkennung der Rechte und Leistungen der indigenen Völker ist ein Weg, diesen Wandel zu bewirken. Mehr: https://old.slowfood.com/our-network/indigenous/decolonize-your-food/

 

Zum Internationalen Tag der indigenen Völker der Welt 2023: Am 23. Dezember 1994 hat die Generalversammlung der Vereinten Nationen in ihrer Resolution 49/214 beschlossen, dass der Internationale Tag der indigenen Völker der Welt jedes Jahr am 9. August begangen werden soll. Dieses Datum erinnert an das erste Treffen der UN-Arbeitsgruppe zu indigenen Populationen im Jahr 1982. https://social.desa.un.org/issues/indigenous-peoples/events/international-day-of-the-worlds-indigenous-peoples-2023

 

Mehr über das Slow Food Indigenous Peoples Network: https://old.slowfood.com/our-network/indigenous/

 

IFAD und Slow Food verfolgen die gemeinsame Vision einer kleinteiligen Landwirtschaft als entscheidender Einkommensquelle für ländliche Gemeinschaften zur Förderung des wirtschaftlichen Wachstums auf dem Land. Seit 2009 unterstützt die Partnerschaft zwischen IFAD und Slow Food innovative Graswurzelprojekte, die die lokalen Wertschöpfungsketten für traditionelle Nahrungsmittel stärken, und es wurde ein Netzwerk indigener Völker geschaffen, das Tausende von Menschen in 86 Ländern umfasst. Derzeit setzt die Partnerschaft ein neues Projekt um, dessen Ziel die Transformation des Ernährungssystems ist, indem es die zentrale Rolle agroökologischer Ernährungssysteme und das wertvolle Wissen indigener Völker in Asien, Lateinamerika, der Karibik und im Asien-Pazifik-Raum fördert.

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